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Das PV-Potenzial in Afrika ist riesig

Herr Wedepohl, der BSW-Solar pflegt Verbandskooperationen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent: vom Norden in Ägypten, Marokko, Tunesien und Algerien über den Westen in Mali, Nigeria und Osten in Tansania bis in den Süden in Angola, Botswana, Namibia und Südafrika. Worin unterschieden sich die Länder oder Regionen, wenn es um den Einsatz von Photovoltaik geht?

Die Spannbreite ist enorm groß – von den nicht elektrifizierten Regionen Subsahara-Afrikas bis hin zu industrialisierten Regionen Südafrikas. Überall gibt es einen Markt für Photovoltaik und Solarstromspeicher. Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist praktisch in allen Ländern ein Thema, selbst in denen mit flächendeckender Stromversorgung wie den Maghrebstaaten. Sehr stark verbreitet sind Stromlieferverträge, sogenannte PPAs, meist mit staatlichen oder großen Energieversorgern. In einigen Ländern sind die Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien gesetzlich geregelt, sodass dort die Frage der Netzeinspeisung von Überschussstrom und eventueller Vergütung geregelt ist.

 

Das Potenzial für Solarenergie in Afrika ist enorm. Woran fehlt es in den Ländern – bei aller Unterschiedlichkeit – am meisten?

Für den Ausbau der Solarenergie – und das gilt nicht nur für Afrika – braucht es passende und langfristig stabile Rahmenbedingungen, Zugang zu Finanzierung und Fachkräfte. Hier sind die Länder unterschiedlich aufgestellt. Insbesondere Finanzierung und Ausfallrisiken sind in fast allen afrikanischen Märkten ein großes Thema. Kreditzinsen sind häufig sehr hoch und erschweren die Wirtschaftlichkeit. An dieser Stelle können sogenannte Small-Ticket-Finanzierungen durch staatliche Finanzierer helfen, wie sie der BSW-Solar über die verschiedenen Afrika-Initiativen der Bundesregierung – AfricaConnect, den Marschallplan mit Afrika oder Pro! Afrika – angeregt hat. Hier setzen wir uns für die Interessen unserer im Ausland tätigen Mitglieder ein. Unter anderem arbeiten wir dafür mit der neuen Finanzierungsberatungsplattform GET.invest der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die aus Mitteln verschiedener EU-Länder finanziert wird.

Zu der Finanzierungsfrage kommen Herausforderungen bei der Netzinfrastruktur. Stromnetze sind entweder nicht vorhanden oder zu schwach und unzuverlässig. In manchen Ländern sind zudem Vorurteile gegenüber der Zuverlässigkeit von PV-Systemen auszuräumen. Gleichzeitig kann die mangelnde Infrastruktur aber auch ein Wettbewerbsvorteil für deutsche Off-Grid-Spezialisten sein. Partnerfirmen und Elektriker finden sich in den meisten Ländern, in einigen sogar Elektroingenieure. Aber oft sind zusätzliche Qualifikationen notwendig, um hochwertige und vor allem sichere Anlagen errichten zu können.

 

Wo sehen Sie besonders vielversprechende Märkte entstehen?

Der ganze Kontinent hat großen Energiehunger, eine wachsende Bevölkerung und beste Einstrahlungswerte, sodass Solarenergie überall in Afrika ein Thema ist. Wenn die politische Stabilität und der Zugang zu Finanzierung vorhanden sind, ist in der Regel ein Business-Case gegeben. Herausstellen sollte man Ägypten, das aufgrund der starken Wirtschaft das größte Potenzial besitzt, und Nigeria, die größte Volkswirtschaft des Kontinents mit rund 200 Millionen Einwohnern. Dazu kommen Länder mit dynamischer Wirtschaftsentwicklung wie Angola, das sich stärker geöffnet hat, Äthiopien, die Elfenbeinküste, Ghana, das den Zugang zu anderen westafrikanischen Märkten ermöglicht, der Senegal und natürlich die Republik Südafrika, ein reifer Markt in allen Segmenten. Mit diesen Märkten unterhält der BSW-Solar Verbandspartnerschaften, die es Mitgliedern erleichtern, verlässliche Partner vor Ort zu finden.

 

Geht es vorrangig um private Aufdachanlagen, gewerbliche Solarparks oder Off-Grid-Projekte?

Zwei sehr attraktive Marktsegmente sind sicher Photovoltaiksysteme für Gewerbe- und Industriedächer sowie große Solarparks.

 

Wie steht es um Off-Grid?

Off-Grid-Projekte bieten viele Möglichkeiten für Spezialanbieter. Sie stehen in Konkurrenz zur Stromerzeugung mit Diesel und sind daher besonders lukrativ. Allerdings müssen immer geeignete Finanzierungsmodelle gefunden werden.

 

Worauf kommt es bei Finanzierung und Projektentwicklung an?
In großen wie kleinen Marktsegmenten kommt es auf die richtigen Partner und Rahmenbedingungen an. Bei der Finanzierung von Photovoltaiksystemen bis zehn Megawatt Leistung stellt die Due Diligence-Prüfung eine große Hürde dar, weil kaum eine Bank die Kosten dafür übernehmen will – sie sind einfach zu groß im Verhältnis zur Gesamtinvestitionssumme. Standardisierung von Produkten und Prüfverfahren sind hier sehr relevant. Ein weiteres Hauptaugenmerk bei der Finanzierung gilt den Rückzahlungsfazilitäten. Wie lässt sich während des Anlagenbetriebs ein dauerhafter Zahlungsstrom sicherstellen? Hier kann die Solarbranche viel von der Mobilfunkbranche lernen, zumindest im Endkundensegment.

 

Bei der Intersolar Europe werden Sie erstmals eine PV Afrika Studie präsentieren. Was sind ihre Inhalte und an wen richtet sie sich?

Auf dem gesamten Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern sind nur etwa zwei Gigawatt Photovoltaik installiert. Zum Vergleich: In China mit ähnlicher Einwohnerzahl wurde allein im Jahr 2018 die Kapazität um über 40 Gigawatt gesteigert. Das Potenzial in Afrika ist riesig. In der Studie untersucht der BSW-Solar zusammen mit dem Becquerel-Institut, wie sich in Afrika das Potenzial von Erneuerbaren Energien erschließen lässt, insbesondere von Photovoltaik, Batterien und Off-Grid-Lösungen. Die Analyse legt einen Schwerpunkt auf die besonders aussichtsreichen Länder Ägypten, Angola, Äthiopien, Ghana, Madagaskar, Marokko, Nigeria und Südafrika und auf besonders vielversprechende Geschäftsmodelle. Aufgezeigt wird außerdem eine mittelfristige Perspektive für Unternehmen, die in Afrika aktiv sind beziehungsweise dort einen Markteintritt planen. Wir freuen uns schon sehr auf den Austausch mit den Unternehmen auf den Konferenzen von The Smarter E Europe.