Intersolar Europe: Indisch-europäische Kooperation PV-Produktion

Experteninterview – 2. April 2026

Mit dem neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, einem Wachstumsgiganten der PV-Branche, ergeben sich weitreichende Möglichkeiten der strategischen Zusammenarbeit im Bereich PV-Produktion. Die Intersolar Europe 2026 legt daher, zusammen mit ihrem Partner, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Fachabteilung Photovoltaics Equipment, den Fokus auf Indien.

Dr. Puzant Baliozian, Sector Group Leader beim VDMA Photovoltaics Equipment erklärt uns die Chancen, Fortschritte und Schwerpunkte der Kooperation und gibt einen Ausblick zu dem ausführlichen Event- und Netzwerkangebot zu dem Thema auf der Intersolar Europe 2026.

Der VDMA Photovoltaik Produktionsmittel begleitet die Kooperation zwischen Europa und Indien im Bereich PV-Maschinenbau und Produktionstechnologien – welche Fortschritte und Meilensteine konnten dabei zuletzt erreicht werden?

In den vergangenen Jahren hat sich die europäisch-indische Zusammenarbeit im Bereich PV- Maschinenbau und -Produktionstechnologien spürbar vertieft und strategisch weiterentwickelt. Ein zentraler Meilenstein war der intensive Dialog entlang der gesamten PV-Wertschöpfungskette. Europäische Maschinen- und Anlagenbauer sind dabei längst mehr als reine Ausrüster, sondern sie agieren zunehmend als langfristige Technologiepartner für den industriellen Hochlauf der indischen PV-Fertigung und tragen so zur Diversifizierung globaler Lieferketten bei.

Als Fachabteilung VDMA Photovoltaik Produktionsmittel begleiten wir diese Entwicklung mit Industrie, Politik und Forschung. Wir beschäftigen uns gemeinsam mit Partnern mit Themen wie technologischen Roadmaps, Investitionsbedingungen und regulatorischen Rahmenwerken und bilden die Grundlage für eine zukunftsorientierte Partnerschaft zwischen Europa und Indien im globalen PV-Produktionsökosystem. Exportmärkte sind ein zentraler Erfolgsfaktor unserer Industrie. Europäische Maschinenbauer können hier als Technologiepartner entscheidend zur industriellen Entwicklung beitragen. Entscheidend ist dabei, dass internationale Marktaktivitäten mit dem Aufbau und der Stärkung industrieller Kapazitäten in Europa verzahnt bleiben.

Welche Interessen und Themenschwerpunkte vertreten Europa und Indien in der Kooperation im Bereich Solarenergie?

Indien konzentriert sich auf den schnellen Aufbau integrierter PV-Produktionskapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit dem Ziel, Skalierung, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Europa bringt dabei insbesondere seine Stärken im Maschinen- und Anlagenbau sowie in Forschung und Entwicklung ein. Europäische Technologien stehen für präzise Prozesse, hohe Effizienz, Qualität und Innovationskraft – getragen von einem engen Zusammenspiel zwischen Industrie und einer leistungsfähigen Forschungslandschaft. Genau diese technologische Exzellenz bildet die Grundlage für langfristige Partnerschaften. Entscheidend ist dabei, dass internationale Kooperation und Exportmärkte eng mit dem Ausbau der heimischen Produktion in Europa verknüpft werden. Die Zusammenarbeit mit Indien bietet die Chance, europäische Technologie sowohl global zu skalieren als auch parallel die industrielle Basis und technologische Souveränität Europas nachhaltig zu stärken.

Welche Marktchancen und Entwicklungsperspektiven sehen Sie für europäische PV-Produktions- und Fertigungstechnologien im indischen und europäischen Markt?

Unsere jüngste VDMA Services Studie European Photovoltaics Machinery and Equipment Study, die wir gemeinsam mit ISC Konstanz und Fraunhofer ISE durchgeführt haben, zeigt eindrucksvoll: Das größte Potenzial entfaltet sich dort, wo integrierte Maschinen alle Schritte von Polysilizium/Ingot über Wafer bis hin zu Zelle und Modul abdecken. Besonders im dynamisch wachsenden indischen PV-Markt entsteht die Chance, Produktionskapazitäten von Beginn an gezielt auf Effizienz, Skalierbarkeit und technologische Innovation auszurichten. Prognosen verdeutlichen, dass bis 2035 entlang der gesamten PV-Wertschöpfungskette ein jährliches PV-Equipment-CAPEX von etwa 7,5 Milliarden US-Dollar erreicht werden könnte – ein klares Zeichen für die industrielle und technologische Bedeutung dieses Marktes. Für europäische Maschinenbauer eröffnet sich hier ein äußerst attraktives Geschäftsumfeld. Mit einer voraussichtlichen Marktgröße von etwa 2,2 Milliarden US-Dollar bis 2035 bietet auch der europäische Markt große Chancen – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen und industriepolitischen Maßnahmen unterstützen dieses Wachstum aktiv.

Besonders vielversprechend ist die Kooperation zwischen Europa und Indien entlang der gesamten PV-Wertschöpfungskette. Indien baut derzeit integrierte Produktionskapazitäten vom Ingot bis zum Modul auf, während Europa insbesondere bei Produktionsanlagen, Prozess-Know-how und Qualitätstechnologien starke Kompetenzen einbringt. Das Kooperationspotenzial umfasst Zelltechnologien, Ingot und Waferprozesse, hochautomatisierte Modulproduktion, Inline-Messtechnik , Digitalisierung, Qualitätssicherung sowie ressourceneffiziente Fertigungskonzepte und detaillierte Fabrikplanung und Engineering. Besonders wertvoll ist zudem die Verbindung der starken europäischen Forschungs- und Entwicklungslandschaft mit dem industriellen Skalierungspotenzial Indiens.

Auf der Intersolar Europe 2026 gilt Indien als Solarmarkt besondere Aufmerksamkeit, zahlreiche Side-Events zielen auf Austausch und Intensivierung der Beziehungen ab – können Sie uns einen Ausblick geben, was dort geboten sein wird?

Geplant sind unter anderem ein hochrangiger Roundtable zur PV-Produktion, ein EU-Indien PV-Partnerschafts-Side-Event sowie mehrere technisch fokussierte Fachsessions, die sich mit Fertigungstechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette befassen – von Ingot und Wafer über Zell- und Modultechnologien bis hin zu Automatisierung und Qualitätssicherung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf dem PV Action Workshop zu europäischen Produktionstechnologien und Pilotlinien. Dieser richtet den Blick gezielt auf den Ausbau industrieller Pilot- und Demonstrationskapazitäten in Europa und darauf, wie Forschung, Maschinenbau und Industrie gemeinsam den Transfer neuer Technologien in die Serienfertigung beschleunigen können. Ein weiteres Highlight ist die Veröffentlichung der neuen Edition der International Technology Roadmap for Photovoltaic (ITRPV) während der Intersolar Europe. Darüber hinaus laden wir zum Besuch unseres VDMA Stands in Halle A2, Stand A2.410 ein. Dort präsentieren wir aktuelle Initiativen des europäischen Maschinen- und Anlagenbaus, und internationale Kooperationsansätze.

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