Die Dunkelflaute ist zu einem der hartnäckigsten Argumente gegen ein vollständig auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem geworden. Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht – woher soll dann unsere Energie kommen?
Detaillierte neue Modellrechnungen des deutschen Fraunhofer ISE legen nahe, dass diese „Dunkelflaute“ zwar eine Herausforderung darstellt – aber nicht ausreichen sollte, um die Energiewende aufzuhalten. Die größere Herausforderung besteht darin, die Flexibilität, die zur Bewältigung von Phasen mit geringer erneuerbarer Energieerzeugung benötigt wird, in das Energiesystem des Landes zu integrieren.
Aufgenommen auf der „The smarter E Europe 2026“ in München spricht Moderator Jonathan Gifford mit Charlotte Senkpiel, leitende Wissenschaftlerin am Fraunhofer ISE, darüber, was nötig wäre, damit Deutschland Klimaneutralität erreicht, wobei Wind- und Solarenergie das Herzstück seines Energiesystems bilden. Und das Ergebnis ist sowohl gut für das Klima als auch wirtschaftlich tragfähig.
Die Ergebnisse der Fraunhofer-ISE-Studie zeigen, dass Batterien, Elektrofahrzeuge, flexible Nachfrage, verstärkte und intelligentere Netze, internationale Verbindungsleitungen sowie regelbare Reserveanlagen alle eine Rolle spielen – während die Elektrifizierung Deutschlands Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe drastisch verringert.
Und wenn es doch einmal zu längeren Phasen mit geringen Wind- und Solarerträgen kommt? Die Modellierung zeigt, wie Batterien, Lastflexibilität, Stromimporte und ein begrenzter Einsatz von Wasserstoff oder synthetisch betriebener Stromerzeugung zusammenwirken können, um das System am Laufen zu halten.
Im zweiten Teil des Podcasts ist Sonia Dunlop, CEO des Global Solar Council, zu Gast, um über die Bemühungen zur weltweiten Förderung von Agrivoltaik und Dachsolaranlagen zu sprechen – und darüber, warum sie glaubt, dass eine kurzfristige Verlangsamung des globalen PV-Ausbaus nichts an der mittelfristigen Entwicklung der Solarenergie ändert.
Was die Folge verdeutlicht: Bei einem rund um die Uhr verfügbaren System aus erneuerbaren Energien geht es darum, ein Energiesystem aufzubauen, das flexibel genug ist, um die Schwankungen bei Wind- und Solarenergie auszugleichen – und darum, dass dies kostengünstiger ist.
Über den The smarter E Podcast
Im The smarter E Podcast dreht sich alles um die aktuellen Trends und Entwicklungen einer erneuerbaren, dezentralen und digitalen Energiewirtschaft. Unser Host begrüßt und interviewt Persönlichkeiten, die unsere Branche prägen und Entwicklungen vorantreiben. Eine neue Folge erscheint jeden zweiten Donnerstag.
Charlotte Senkpiel ist leitende Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Sie verfügt über Fachkenntnisse in den Bereichen Klimapolitik, Energiesystemmodellierung, erneuerbare Energiesysteme und Energiemärkte. Sie studierte an der Universität Freiburg und an der Europa-Universität Flensburg.
Sonia Dunlop ist Geschäftsführerin des Global Solar Council, wo sie die weltweite Solar-PV-Branche gegenüber politischen Entscheidungsträgern, anderen Sektoren und den Medien vertritt. Zuvor war sie für SolarPower Europe, Solar Energy UK und die RE-Source Platform tätig. Davor gehörte sie fünf Jahre lang zum Führungsteam des globalen klimapolitischen Thinktanks Third Generation Environmentalism (E3G) und arbeitete für das Organisationsteam der COP26 in Glasgow im Auftrag der britischen Regierung.