Lernen von Europa – Vom Braunkohletagebau zum Netzdienstleister

Branchenneuigkeit – 12. Februar 2026

Der Energiepark Witznitz erstreckt sich über eine Fläche von umgerechnet 700 Fußballfeldern.

Europa ist vielfältig, geografisch wie kulturell. Genauso facettenreich sind die Lösungsansätze für die Energiewende in den verschiedenen Ländern. The smarter E Europe sieht diese Vielfalt als Chance, voneinander zu lernen und die Energiewende im jeweils eigenen Land noch schneller und effizienter umzusetzen.

In dieser Artikelserie stellen wir Ihnen innovative und erfolgreiche Projekte aus Europa vor, die zeigen, wie eine erneuerbare Energieversorgung 24/7 funktionieren kann. Die Beispiele sollen Impulse und Inspiration geben, damit aus „geht nicht“ „gibt es schon“ wird.

Aus Braun wird Grün – so lässt sich der Wandel des Braunkohletagbaus Witznitz bei Leipzig mit wenigen Worten beschreiben. Auf der Abraumhalde des ehemaligen Tagebaus steht heute mit dem Energiepark Witznitz eine der größten Photovoltaik-Freiflächenanlagen Europas mit einer Leistung von 650 MWp. Damit kann der Park laut dem Projektentwickler und Betreiber Move On Energy rechnerisch 200.000 Haushalte mit je vier Personen mit grünem Strom versorgen.

Das Besondere der Anlage ist aber nicht nur ihre Größe, sondern dass sie direkt auf Höchstspannungsebene einspeist und gleichzeitig rund um die Uhr zur Netzstabilität beiträgt. Sie liefert sogenannte Blindleistung, die der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bei Bedarf zur Spannungshaltung abrufen kann. Dafür wurden die 3.500 Wechselrichter des PV-Parks mit einer zusätzlichen Software ausgestattet.

Für Netzbetreiber ist Blindleistung unverzichtbar, um das Wechselstromnetz stabil zu halten. Sie muss an vielen Stellen des Netzes zur richtigen Zeit in der richtigen Menge eingespeist oder entnommen werden, damit die Spannung auf dem gewünschten Niveau bleibt. Bisher lieferten Großkraftwerke mit ihren Generatoren die nötige Blindleistung, durch das Abschalten fossiler Kraftwerke im Rahmen der Energiewende schrumpft das Angebot an Blindleistung jedoch. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber rechnen darum mit einem wachsenden Defizit, das bis 2037 auf 65 Gvar ansteigen könnte, heißt es im Netzentwicklungsplan Strom (NEP). Gvar steht für „Gigavoltampere reaktiv“, die Einheit der Blindleistung.

Der Energiepark Witznitz kann nach Angaben von 50Hertz 150 Mvar an Blindleistung bereitstellen und damit teilweise die Lieferung von Blindleistung aus dem benachbarten Braunkohlekraftwerk Lippendorf (2 x 400 Mvar) ersetzen. Das funktioniert auch, wenn die PV-Anlage gerade keinen Strom einspeist. Dann nutzt sie den Strom aus dem Netz, um Blindleistung zu erzeugen.

Der Energiepark Witznitz mit seinen über 1,1 Millionen Solarmodulen steht auf einer rund 500 Hektar großen Fläche und ist über ein eigens errichtetes Umspannwerk an die vorhandene 380 kV-Freileitung angeschlossen. Finanziert wurde die Anlage vom Versicherungskonzern Signal Iduna – ohne Fördergelder. Die Shell-Tochter Next Kraftwerke vermarktet einen Großteil des Stroms über ein langfristiges Power Purchase Agreement (PPA) unter anderem mit Microsoft. Gleichzeitig sorgt der Direktvermarkter für das Monitoring und die Steuerung des Solarparks. Über eine Stiftung profitieren die umliegenden Kommunen mit ihren Einwohnern zumindest indirekt von der PV-Anlage vor ihrer Haustür: Sie verteilt einen Teil der Gewinne aus der grünen Energieproduktion an soziale und kulturelle Projekte der Region.

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