Plötzlich ging alles ganz schnell: Während die Solarenergie zu Beginn ihrer kommerziellen Anwendung langsam wuchs, ist sie mittlerweile zur führenden globalen Energieerzeugungsquelle aufgestiegen. Der Siegeszug der erneuerbaren Energien ist verknüpft mit einem systemischen Wandel, der das Marktwachstum weiterer Cleantech-Anwendungen befördert und beschleunigt: Allen voran Batteriespeicher, Elektromobilität und Wärmepumpen.
Flexibilität steht ebenfalls im Vordergrund und gilt als ausgleichender Hebel für die Volatilität der Erneuerbaren. Die Elektrifizierung aller Sektoren ist die Grundvoraussetzung für ein effizientes, kostengünstiges und resilientes Energiesystem.
Auf der vergangenen The smarter E Europe 2026, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft, gaben 2.650 Aussteller rund 105.000 Fachbesuchern einen Ausblick darauf, welche Komponenten ein integriertes Energiesystem zukünftig erfolgreich machen. Wie eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit erneuerbaren Energien funktionieren kann, zeigte die Sonderschau „Renewables 24/7“ der Veranstalter Solar Promotion GmbH und die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG..
Alle Prognosen zum Ausbau der Photovoltaik (PV), so Jaran Rystad, Gründer und Geschäftsführer des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens Rystad Energy auf The smarter E Europe, lagen immer zu niedrig – auch die aus eigenem Hause, obwohl sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oft als utopisch bezeichnet wurden. Laut dem „Global Market Outlook for Solar Power 2026–2030" von SolarPower Europe wurden 2025 weltweit rekordverdächtige 664 Gigawatt (GW) an neuer Photovoltaik-Leistung installiert, womit die globale Solarflotte erstmals die Marke von drei Terawatt (TW) überschritt. Ein Meilenstein mit Symbolkraft: 2025 erzeugte Solarenergie weltweit erstmals mehr Strom als Windkraft und wurde damit zum größten Treiber des globalen Energiewachstums überhaupt – noch vor Erdgas, Öl und Kohle.
China bleibt mit 382 GW Zubau (57 Prozent aller weltweiten Installationen) der größte Solarmarkt der Welt, wobei sich dort 2026 aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen eine vorübergehende Verschnaufpause abzeichnet. Europa bleibt weiterhin auf Wachstumskurs: Die EU-27 installierten 2025 mit rund 67 GW erneut mehr Solarleistung als im Vorjahr. Solarenergie ist damit endgültig zur tragenden Säule der europäischen Stromversorgung geworden – im Juni 2025 deckte Photovoltaik zeitweise über 22 Prozent des gesamten EU-Strombedarfs.
Ebenso beeindruckend entwickelt sich der europäische Batteriespeichermarkt: Der „European Battery Market Outlook 2026–2030" von SolarPower Europe verzeichnet für 2025 einen Zubau von 36 Gigawattstunden (GWh) – ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wodurch Europas Speicherkapazität erstmals die Schwelle von 100 GWh überschritt. Großspeicher stellten dabei erstmals mehr als die Hälfte aller Neuinstallationen. Möglich wird dieser Boom nicht zuletzt durch den drastischen Preisverfall der Technologie: Die Produktionskosten für Lithium-Ionen-Batteriezellen sind seit 2010 um rund 85 Prozent gesunken. Bis 2030 sollen die jährlichen Zubauten auf 138 GWh steigen – nahezu eine Vervierfachung gegenüber 2025: „Wir treten in das Batteriezeitalter ein“, sagte Markus Elsässer, Geschäftsführer des Veranstalters Solar Promotion GmbH, auf The smarter E Europe.
Diese Doppeldynamik aus global wachsender Solarleistung und rasant zunehmender Speicherkapazität legt das Fundament für eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit erneuerbaren Energien – ein Zukunftsthema, dem sich die Sonderschau „Renewables 24/7" auf der vergangenen The smarter E Europe widmete.
Zu teuer, nicht zuverlässig genug, technisch nicht umsetzbar: Die Irrglauben, die sich um eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ranken, sind zahlreich. Die Sonderschau „Renewables 24/7“ auf The smarter E Europe 2026 hat damit aufgeräumt. Als Grundlage für die Sonderausstellungsfläche legten die Veranstalter die Studie „Kostenoptimale Transformation des deutschen Energiesystems bis 2045“, verfasst vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE, auf. Studie und Sonderschau zeigen, wie es im Industrieland Deutschland technisch umsetzbar, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich gestaltbar ist, die Energieversorgung komplett klimaneutral und rein durch erneuerbare Energien zu speisen.
Mittels Exponate, Fachvorträgen und Praxisbeispielen widerlegte die Sonderschau faktenbasiert, warum beispielsweise die vielzitierte „Dunkelflaute“ kein Hindernis für ein erneuerbares Energiesystem darstellt. Dr. Charlotte Senkspiel, eine der Fraunhofer-ISE-Hauptautorinnen, macht klar: „Die kalten Dunkelflauten machen nur etwa ein Prozent im Jahr aus. Ja, dafür brauchen wir noch 100 Gigawatt regelbare Kraftwerke – für genau deren Betrieb ist die saisonale Speicherung von Wasserstoff der Schlüssel“. Eine zentrale Rolle in den Modellierungen der Studie und deren Visualisierung auf der Sonderschau spielen außerdem der massive Ausbau der Speicherkapazitäten und die Nutzbarmachung von Flexibilität – beispielsweise in Industrie und Gewerbe durch Lastspitzenkappung und in allen Verbrauchssektoren durch nachfrageseitige Flexibilität und bidirektionalem Laden von E-Fahrzeugen.
Bei „Renewables 24/7“ bot sich den Besuchern ein eindrucksvolles Bild, wie die einzelnen Technologien und Anwendungen der Energiewende effizient ineinandergreifen können: „Solarenergie, Speicher, E-Mobilität, Stromnetze und Digitalisierung – diese Bereiche entwickeln sich nicht isoliert voneinander, sondern verschmelzen zu einem integrierten Energiesystem“, sagte Markus Elsässer zum Auftakt der Sonderschau.
Getragen wurde die Initiative von einem breiten Bündnis führender Branchenverbände. Zu den Unterstützern zählen der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE), der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), der Deutsche Wasserstoff-Verband (DWV), der Fachverband Biogas sowie der VDMA Photovoltaics Equipment und VDMA Power Systems. International wird die Sonderschau durch E-Mobility Europe, Energy Storage Europe, Smart Energy Europe (smartEn) und SolarPower Europe flankiert.
Als technologische Solution Partner begleiteten führende Unternehmen der Branche die Sonderschau und stellten technische und wirtschaftlichen Lösungen, darunter CATL, Energy3000, Fenecon, FoxESS, GE Vernova, Maxsolar, Octopus Energy und Siemens AG. Gemeinsam präsentierten sie die technischen und wirtschaftlichen Lösungen, die eine regenerative Vollversorgung rund um die Uhr ermöglichen.
Auf The smarter E Europe 2026 und der dortigen Sonderschau „Renewables 24/7“ zeigte sich eindrucksvoll, dass die Branche die Lösungen und Produkte für ein resilientes, klimaneutrales und kostengünstiges Energiesystem bereitstellt. Was es nun braucht, sind die geeigneten Anreize aus Politik und Institutionen sowie konstanter Veränderungswillen, um Flaschenhälse wie mangelnde Netzkapazitäten und nicht systemdienliche Regulierungen zu adressieren.