Energie muss nicht teuer sein: Fünf Start-ups, die Unternehmen beim Sparen helfen

Branchenneuigkeit – 1. Juni 2026

Unternehmen und Verbraucher stöhnen über hohe Energiepreise. Dabei schafft die Energiewende ein enormes Potenzial, Kosten zu senken. Innovative Start-ups machen dieses Potenzial für Unternehmen nutzbar. Mit smarter Energieplanung, KI-gestütztem Lastmanagement und neuen Geschäftsmodellen helfen sie, Kosten zu senken und Flexibilität gezielt zu vermarkten. Anhand von fünf Start-ups zeigen wir, wie unterschiedlich die Ansätze dafür sein können. Noch mehr innovative Ideen finden Sie in der Start-up Area der EM-Power Europe vom 23.–25. Mai 2026.

Die Strommärkte werden zunehmend volatiler – darin liegt eine Chance für Unternehmen ebenso wie für Endverbraucher. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien schwanken die Strompreise an den Spotmärkten im Tagesverlauf oft deutlich, insbesondere im Sommerhalbjahr, wenn tagsüber große Mengen Solarstrom ins Netz eingespeist werden. Für Verbraucher bedeutet das: Wer seinen Energiebedarf flexibel an diese Dynamik anpasst, kann Kosten reduzieren und zusätzliche Erlöse erschließen. Die Möglichkeiten reichen dabei von der Maximierung des Eigenverbrauchs von PV-Strom und der Optimierung von Netzentgelten über Speichervermarktung und den variablen Strombezug auf Basis von Spotmarktpreisen bis hin zur Bereitstellung von Regelenergie.

Da jede Anlage und jeder Produktionsprozess anders ist, braucht es dafür in der Praxis meist individuelle Lösungen. Start-ups unterstützen ihre Kunden mit innovativen Produkten und Dienstleistungen bei der optimalen Steuerung von Energieflüssen, sodass sich diese auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Wie vielfältig die Ansätze sind, zeigt ein Blick auf junge Unternehmen, die ihre Lösungen vom 23.–25. Mai 2026 auf der EM Power Europe in München präsentieren.

Bevor Flexibilität genutzt werden kann, braucht es eine fundierte Planungsgrundlage. Genau hier setzt das Wuppertaler Start-up Volterica mit seinem Planungs- und Simulationstool an. „Wir bieten eine All-in-one-Software für die Energieplanung“, erklärt Volterica-Gründer und Geschäftsführer Jan-Eric Wörheide. Unternehmen können damit verschiedene Szenarien durchspielen und Investitionen in Energieprojekte schnell und fundiert bewerten – etwa die beste Batterieauslegung, um Lastspitzen zu kappen oder den Eigenverbrauch zu optimieren. Auch komplexe Industrieanlagen lassen sich vollständig modellieren, einschließlich aller relevanten Assets, Energieträger und Materialströme.

Die Software richtet sich insbesondere an mittelständische Unternehmen mit einer Größe von etwa 50–500 Mitarbeitern sowie an Planer und Projektentwickler und ersetzt in vielen Fällen klassische Excel-basierte Ansätze. Eine weitere Zielgruppe sind Komponentenhersteller, die damit beispielsweise ihre Wärme- und Kälteanlagen im System ihrer Kunden simulieren können. Das intuitive Tool wird als Software-as-a-Service angeboten und liefert transparente Kalkulationen. „Wir machen schnelle und fundierte Energieplanung möglich – auch für Unternehmen, für die Planung bisher kein Kerngeschäft war", sagt Wörheide.

Während Volterica bei der Planung ansetzt, konzentriert sich Cleverwatt auf den laufenden Betrieb und die Steuerung von Anlagen mittelständischer Unternehmen. Das Münchner Start-up wurde Anfang 2024 als Energieberatung gegründet und ist heute hauptsächlich als Anbieter eigener Softwarelösungen aktiv. „Wir bieten ganzheitliche Potenzialanalysen, optimieren die Beschaffungsstrategie und implementieren ein KI-basiertes Lastmanagement“, erläutert Alexander Heisele, einer der Firmengründer. Wichtige Hebel seien dabei die Flexibilisierung von Wärme- und Kälteprozessen, Ladeinfrastruktur, Eigenerzeugung vor allem von PV-Strom sowie Speicher. Am attraktivsten sei aktuell das Einsparpotenzial bei den Netzentgelten, dann folge der Eigenverbrauch und schließlich die Reaktion auf Spotmarktpreise. Energiekosteneinsparungen von 15–35% sind so möglich.

Im Fokus des Start-ups stehen Unternehmen mit einem Stromverbrauch ab etwa 500 Megawattstunden pro Jahr – zum Beispiel aus der Lebensmittelverarbeitung, Metallveredelung und Logistik. Zudem richtet sich Cleverwatt an Solarteure, die die Software-Tools für ihre Beratung nutzen können. Da sich nicht nur die Regulatorik immer wieder ändert, sondern sich auch die betrieblichen Anforderungen der Kunden stetig verändern, setzt das Start-up darauf, die Unternehmen langfristig zu begleiten.

Ein großer Kostenpunkt in der Industrie ist die Erzeugung von Prozesswärme. Diese Kosten zu senken, indem Wärme bevorzugt dann erzeugt wird, wenn der Strom günstig verfügbar ist, ist das Ziel von Celsio. Das Anfang 2025 in München gegründete Start-up versteht sich als Stromanbieter für nachhaltige und wirtschaftliche Prozesswärme. Kunden sind zum Beispiel Unternehmen aus den Branchen Chemie, Papier und Lebensmittelverarbeitung, deren Energieverbrauch vor allem auf der Erzeugung von Prozesswärme – etwa in Form von Dampf – basiert.

Durch einen Hybridbetrieb mit bestehenden Anlagen oder den Einsatz eines thermischen Speichers kann die Wärmeerzeugung zeitlich flexibilisiert werden. Den Strombezug dafür optimiert Celsio an den Strommärkten anhand eigener Modelle, die auch Prognosen beinhalten, und nutzt dabei verschiedene Märkte – von Day-Ahead über Intraday bis hin zur Regelenergie. „Wir entwickeln die Software, nutzen Hardware von Partnern und können so unseren Kunden ein gesamtheitliches Paket bieten“, sagt Mitbegründer Tim Engelmann. Die Verträge mit den Kunden würden sehr individuell gestaltet. Auch Modelle als eine Art Einsparcontracting seien möglich, bei dem Celsio einen Teil der erzielten Einsparungen erhält.

Standorte mit hoher elektrischer Last durch Ladeinfrastruktur, Batteriespeicher und PV-Anlagen stehen im Fokus von Zympler. In Zeiten, in denen leistungsstarke Netzanschlüsse oft knapp sind und Strompreise immer volatiler werden, hilft das Energiemanagementsystem (EMS) des niederländischen Start-ups, Energieflüsse aktiv zu steuern. Der Schwerpunkt liegt aktuell auf Ladeinfrastruktur, Depot Charging und Logistikanwendungen. Das ergibt sich auch aus der Firmenhistorie: Die Gründer brachten bereits Erfahrung mit Elektromobilität und Energiemanagementsystemen mit.

„Das System unterstützt Betreiber, innerhalb ihrer Netzgrenzen zu bleiben, Energiekosten zu senken und flexible Assets intelligent zu steuern“, sagt Tom Selten, Mitbegründer von Zympler. Das Geschäftsmodell basiert auf Software-as-a-Service: Kunden bezahlen für die Nutzung des EMS, typischerweise pro Standort, Asset oder Modul. Das System ist kein reines Monitoring-Tool, sondern kann Anlagen wie Speicher, Ladepunkte oder PV-Wechselrichter aktiv steuern. Zympler arbeitet hardwareunabhängig – ein entscheidender Vorteil in der Praxis, wo oft Systeme unterschiedlicher Anbieter kombiniert werden.

Doch nicht nur Industrie und Gewerbe profitieren von einer flexibleren Energienutzung. Auch im Gebäudebereich entstehen neue Geschäftsmodelle. Hier tritt das schweizerische Start-up Zevvy mit einer intelligenten Online-Plattform an. Diese hilft Dienstleistern bei der Abrechnung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung, insbesondere von Heizkosten, Solarstrom, E-Mobilität oder Wasser. Auch Mieterstrom lässt sich integrieren. Die Zielgruppe sind unter anderem Dienstleister, Immobilienunternehmen, Energieversorger und Solarfachbetriebe, hauptsächlich in der Schweiz und in Deutschland.

Zevvy ist eine vollständig offene Plattform und wird als Whitelabel verwendet durch Dienstleister, wie Messstellenbetreiber, die Komplettpakete anbieten wollen. „Da wir keine eigene Hardware haben, sondern unabhängig sind, können jegliche Systeme verknüpft und unsere Plattform somit nahtlos in bestehende Systeme und Prozesse integriert werden“, sagt Andreas Rüegger, Leiter Geschäftsentwicklung von Zevvy. Aufwände für wiederkehrende administrative Aufgaben werden durch Automatisation und intelligente Abrechnungslogik signifikant reduziert, teilweise um mehr als 40%.

Die Beispiele zeigen: Industrielle Flexibilität entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor. Unternehmen, die ihre Energieflüsse aktiv steuern, können nicht nur Kosten senken, sondern zusätzliche Erlöse generieren. Gleichzeitig steigt ihr Nutzen für das Gesamtsystem. Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien wird es immer wichtiger, Angebot und Nachfrage flexibel auszugleichen. Damit wird Flexibilität zur neuen Währung im Energiesystem – und zu einem Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, die sie konsequent nutzen.

Sie verwenden einen veralteten Browser

Die Website kann in diesem Browser nicht angezeigt werden. Bitte öffnen Sie die Website in einem aktuellen Browser wie Edge, Chrome, Firefox oder Safari.