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Wie viel Eigenverbrauch ist für Gewerbetriebe möglich?

Michael Vogtmann, Vorsitzender des Landesverbands Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS)

Michael Vogtmann: "Stromerzeugungskosten von PV-Gewerbeanlagen sind unschlagbar günstig". Sieben Fragen zu PV-Gewerbeanlagen an Michael Vogtmann, Vorsitzender des Landesverbands Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS).
 

Herr Vogtmann, was macht die Installation von Photovoltaik auf Gewerbedächern attraktiv?

Die trotz Förderkürzung ansehnlich Eigenkapitalrendite von weiterhin über zehn Prozent bei Eigenkapitalquoten von 20 bis 30 Prozent. Damit ergeben sich für Gewerbebetriebe akzeptable Amortisationszeiten von nur circa fünf Jahren. PV-Stromerzeugungskosten von sechs bis neun Cent pro Kilowattstunde bei Gewerbeanlagen zwischen 30 und 750 Kilowatt Leistung sind unschlagbar günstig.

 

Wie viel Eigenverbrauch ist für Gewerbetriebe möglich?

Mit entsprechend angepasster kleiner Photovoltaikanlage sind je nach Bedarfslastprofil des Gewerbebetriebs 80 bis 100 Prozent Eigennutzung möglich. Viel sinnvoller wäre es aber, möglichst das gesamte Dach mit Photovoltaik zu belegen – für mehr Klimaschutz, mehr Strombezugspreisbremse und mehr Solarstromproduktion, um den künftig vermehrten Bedarf im und am Gewerbegebäude für den Elektroautofuhrpark, Power-to-Heat-Maßnahmen mit Wärmepumpen oder den Speichereinsatz zur Lastspitzenkappung abdecken zu können. Also: Dach voll belegen, mit vielleicht 30 bis 50 Prozent Eigenverbrauchsquote beginnen, nach ein paar Jahren werden es über 50 Prozent, mit Speicher bis zu 100 Prozent sein.

 

Mit welchen Mitteln lässt sich der Eigenverbrauch optimieren?

Mit aktivem Lastverschiebungsmamagement: von der „grünen Ampel“ über den PV-geführten Einsatz von Maschinen bis hin zu automatischen Energiemanagementsystemen. Und natürlich mit Speichern zur Eigenverbrauchserhöhung und eventuell zur Lastspitzenkappung.

 

Welche Entwicklungen hat es dahingehend in der jüngsten Vergangenheit gegeben?

Hervorragende veröffentlichte Praxisbeispiele insbesondere von den Gewerbespeicherpionieren Fenecon und Tesvolt.

 

Welche Dachflächen eignen sich?

Alle in alle Himmelsrichtungen, weil eine solche Installation hervorragend zum Tagesbedarfslastprofil passt. Natürlich dürfen keine Blitz- und Brandschutzanlagen, Rauchwärmeabzugsanlagen oder Sekuranten auf den Dächern missachtet werden. Und natürlich sollten mögliche Dachsanierungen bei der Planung berücksichtigt werden.

 

Worauf müssen die Betriebe bei der Planung und Realisierung besonders achten?

Unbedingt auf die richtige Ausführung des Betreiber-/Verbraucherkonzepts. Ist eine Personenidentität zwischen Anlagenbetreiber und Stromletztverbraucher nicht gewährleistet, muss auf Basis aktueller strenger Gesetzgebung die Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Dabei gilt es, die volle im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebene Umlage beziehungsweise eine Mischung aus verminderter EEG-Umlage und voller EEG-Umlage zu überprüfen. Wir von der DGS Franken bieten mit pv@now manager ein für alle Variationen zugeschnittenes Wirtschaftlichkeitstool an. Beispiel: Will ein GmbH-Geschäftsführer sein persönliches „PV-Steuersparmodellprojekt“ auf dem Dach „seiner“ GmbH realisieren, muss der Planer wissen, dass es sich dabei um eine Solarstromlieferung an Dritte handelt, für die es die volle EEG-Umlage auf den direkt verbrauchten Solarstrom zu entrichten gilt. Eine Lösung könnte sein, die Photovoltaikanlage vom Investor/Geschäftsführer an die GmbH zu vermieten, um dadurch Eigenversorgung herzustellen. Die DGS Franken bietet für solche Fälle einen PV-Miete-Mustervertrag unter www.dgs-franken.de/bestellungen an. Auch dauerhafte Drittverbraucher wie Kantinen, Paketpackstationen und Shop-in-Shop-Systeme müssen je nach Risikobereitschaft des PV-Eigenversorgers abrechnungs- und messtechnisch sowie die EEG-Umlage betreffend berücksichtigt werden.

 

Welche längerfristige Perspektive bietet sich der Photovoltaik auf Gewerbedächern?

Mittelfristig werden PV-Speicheranlagen in Gewerbebetrieben wesentlicher Baustein für eine weitgehende Selbstversorgung ganzer Quartiere mit Strom aus Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung sein. Voraussetzung: Stromgesetzgebungen und -verordnungen werden besser aufeinander abgestimmt und eine CO2-Abgabe eingeführt. Geschäftsmodelle wie die halböffentliche Elektroautoladestation oder der unschlagbar preiswerte Regionalverkauf von Ökostrom an benachbarte Betriebe und andere Stromverbraucher unter anderem mittels Blockchaintechnologie werden dann gang und gäbe sein.


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